Ruth Winkelmann, geb. Jacks, wurde 1928 in Hohen-Neuendorf bei Berlin geboren, wo sie mit ihrer jüngeren Schwester Esther aufwuchs. Ihr Vater Hermann kam aus einer jüdischen Familie; ihre Mutter Elly, die evangelisch war, konvertierte zum Judentum. Die Ehe der Eltern wurde im Frühjahr 1942 zwangsweise geschieden. Ruth Jacks besuchte ab 1935 die jüdische Schule in der Auguststraße, bis im Juni 1942 alle jüdischen Schulen geschlossen wurden. Ab September 1942 musste die 14-jährige Ruth Zwangsarbeit in einer Uniformfabrik leisten. Im März 1943 wurde der Vater nach Auschwitz deportiert; fast ihre gesamte jüdische Verwandtschaft, auch ihre Großeltern und ihr Vater wurden ermordet. Nur knapp entkamen Ruth und ihre Schwester der Deportation; ein Bekannter der Mutter, Leo Lindenberg, bot ihnen seine Gartenlaube in Berlin-Wittenau als Bleibe an. Die Schwester Esther starb im März 1945 im Alter von acht Jahren an Diphterie. Ruth und Elly Jacks überlebten. 1949 heiratete Ruth Jacks Karl-Heinz Winkelmann mit dem sie bis zu seinem Tod im Jahr 1995 verheiratet war.

Frau Winkelmann hat mit Hilfe von Claudia Johanna Bauer das Buch geschrieben: "Plötzlich hieß ich Sara". Nachdem wir dies gelesen hatten, wollten wir die Frau, die bis heute immer noch drei- bis viermal pro Woche in Berliner Schulen als Zeitzeugin auftritt, ebenfalls einmal in unsere Schule einladen. Die Klasse 9a hatte sich zuvor im Unterricht mit dem NS-Regime und der Judenverfolgung beschäftigt und auch Fragen für das Gespräch vorbereitet. Frau Winkelmann erkennt man an der Sprache und am Charakter als echtes Berliner Gewächs. Sie kann anschaulich von der damaligen Zeit erzählen und verteilte zum Schluss Nappos an alle Schülerinnen und Schüler, die einzige Süßigkeit, die sie sich auch damals schon ab und an gegönnt hatte und die es heutzutage immer noch zu kaufen gibt. Die Doppelstunde war eine bewegende Begegnung, Mahnung und Erinnerung zugleich.