Wir beschäftigen uns im Politik-Leistungskurs Q2 gerade mit dem Grundgesetz und den Grundrechten, folglich liegt ein Fokus auch auf dem Artikel 5 GG. Was liegt dabei näher, als sich mit den beiden Zeitungen zu beschäftigen, die sich quasi seit Anbeginn kontrovers einander gegenüberstehen, der BILD-Zeitung aus dem Axel-Springer-Verlag und der 26 Jahre später gegründeten taz, die zwischenzeitlich auch im Straßenbild einander gegenüberlagen (Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg).
Die BILD, heutzutage das reichweitenstärkste Nachrichtenportal in Deutschland, besichtigten wir zuerst. Dabei entstand auch das Foto mit der derzeitigen Chefredakteurin Marion Horn. Herr Seidl, seit 2024 seines Zeichens Textchef bei BILD, zeigte uns die Räumlichkeiten in der Zimmerstraße 50 und eine kleine Präsentation. Anschließend stand er unseren zahlreichen Fragen offen gegenüber. Es ging um das Redaktionsstatut, den ehemaligen Chefredakteur Julian Reichelt, allerlei Affären und Kollisionen mit dem Pressekodex. Die BILD ist stolz darauf, das meistzitierte Medium in Deutschland zu sein. An einer elektronischen Wand sieht man fortwährend aktualisiert die meistgeklickten Texte auf Bild.de und gleichzeitig noch, von welcher Art Gerät auf diese Texte zugegriffen wurde.
Nach zwei Stunden ging es weiter zur Friedrichstraße 21, wo - ebenfalls in einem schicken Neubau - seit ein paar Jahren die taz residiert. Dort erwartete uns eine der drei Chefredakteurinnen, Ulrike Winkelmann. Sie konnte über den Wechsel vom Print zum ePaper aus dem letzten Jahr berichten und zeigte sich hocherfreut, dass dabei die Abonnentenzahlen fast vollständig gehalten werden konnten. Die Homepage ist weiterhin kostenfrei zu nutzen, allerdings spenden scheinbar sehr viele Nutzer freiwillig Geld, so dass dieses Zeitungs-Projekt fortwährend auch ohne Anzeigenerlöse ganz gut funktioniert. Die taz arbeitet mit einer festen Frauenquote, hat 380 Angestellte auf 280 Vollzeit-Stellen, sie sieht sich als linkes Projekt, also mit einem klaren Standpunkt versehen. Gleichwohl versicherte die Chefredakteurin, dass die taz sich gleichsam eine faire Berichterstattung auf die Fahnen geschrieben habe. Was in der Redaktion kontrovers diskutiert würde, käme ebenso ins Blatt, z. B. aktuell die Kontroverse um ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.



