Zeitzeugengespräch mal anders

Man muss eben kreativ werden in diesem Zeiten. So versammelte sich die 10c teils in der Schule vor dem Beamer, teils zu Hause vor den Bildschirmen am 4. Mai zu einen digitalen Gespräch mit dem Zeitzeugen Stefan Müller, der damals als Bürgerrechtler an der Aufdeckung das Wahlbetrugs bei der letzten Kommunalwahl 1989 in der DDR beteiligt war.
Eindrucksvoll schilderte er den „Werdegang eines Oppositionellen“, zu dem er, wie er sagt, vom System gemacht wurde. Das nannte er als wesentlichen Grund, warum Anpassung für ihn nie eine Option war. Seine Schilderungen zur Wahlbeobachtung im Mai 1989 und die sich anschließenden Proteste machten sehr deutlich, wie viel Aufwand und Mut damals dazu gehörte, seine Meinung öffentlich kundzutun - ganz im Gegensatz zu heute.
Das Gespräch fand im Rahmen des Tages der Pressefreiheit im Stasi-Unterlagen-Archiv statt und wurde in drei Bundesländer übertragen. Die wohl wichtigste Botschaft in diesem Kontext darf man wohl nie vergessen: Die Freiheit zu denken und zu sagen, was man möchte, ist einer der wichtigsten Pfeiler unserer Demokratie. Diesen zu verteidigen ist eine wichtige Aufgabe, auch in Zeiten einer Pandemie. Demokratie lebt vom Diskurs und dem Austausch diverser Meinungen. Wer aber glaubt, dass das heute nicht mehr funktioniert und eine Einschränkung dieser Freiheit ähnlich zu der in der DDR sieht - dem sei dringend ein Gespräch mit einem Zeitzeugen wie beispielsweise Stefan Müller empfohlen.