Unser Nachbar – der Jugendklub Maxim

Unter dem Titel „Die Zeit ist reif, der Jugendklub »Maxim Gorki«“ fanden wir in dem auch ansonsten empfehlenswerten Buch „1989 in Deutschland. Schauplätze der friedlichen Revolution“ von Ingo Juchler (2019) aus dem Be-bra-Verlag (es existiert auch eine Lizenzausgabe der bpb) folgenden Text über unseren Grundstücksnachbarn.

»Der Aufruf „Neues Forum – Aufbruch 89“ zog schnell weite Kreise. Wenige Tage nach seiner Veröffentlichung trafen sich die Musiker Tamara Danz, Jürgen Eger, Tonik Krahl u.a. mit Bärbel Bohley und kamen mit der Bürgerrechtlerin überein, dass sie sich für die Unterstützung des NF einsetzen würden.

Vor diesem Hintergrund kamen am 18. September 1989 im Jugendklub „Maxim Gorki“ in Weißensee etwa 50 Rockmusiker und Liedermacher zusammen. In der von ihnen erarbeiteten Resolution erklärten sie: „Wir, die Unterzeichner dieses Schreibens, sind besorgt über den augenblicklichen Zustand unseres Landes, über den massenhaften Exodus vieler Altersgenossen, über die Sinnkrise dieser gesellschaftlichen Alternative und über die unerträgliche Ignoranz der Staats- und Parteiführung, die vorhandene Widersprüche bagatellisiert und an einem starren Kurs festhält. Es geht nicht um ‚Reformen, die den Sozialismus abschaffen‘, sondern, um Reformen, die ihn weiterhin in diesem Land möglich machen.“

Die Künstler begrüßten „ausdrücklich, dass Bürger sich in basisdemokratisch organisierten Gruppen finden, um die Lösung der anstehenden Probleme in die eigene Hand zu nehmen“, und fanden im Aufruf des NF „vieles, was wir selber denken und noch mehr, was der Diskussion und des Austausches wert ist“. Wie der Aufruf des NF schlossen die Künstler mit dem Satz „Die Zeit ist reif“, banden ihn jedoch in einen eigenen Aussagekontext ein: „Feiges Abwarten liefert gesamtdeutschen Denkern Argumente und Voraussetzungen. Die Zeit ist reif. Wenn wir nichts unternehmen, arbeitet sie gegen uns.“ Unterzeichnet wurde die Resolution u.a. von Tamara Danz (Silly), Jürgen Eger, André Herzberg (Pankow), Toni Krahl (City), Bernd Römer (Karat) und Gerhard Schöne.

Zum Umgang mit der Resolution wurde verabredet, dass sie nur an DDR-Medien wie ADN, Neues Deutschland und Junge Welt, an die FDJ und an die Ministerien gegeben werden sollte, die die Künstler als für sie zuständig erachteten – die Ministerien für Kultur, des Innern und für Staatssicherheit. Weiterhin hatten die Rockmusiker und Liedermacher beschlossen, unabhängig davon, ob die DDR-Medien die Resolution veröffentlichen würden, den Text bei ihren Auftritten von der Bühne zu verlesen. Sie sorgten so für die Verbreitung der Resolution und der darin enthaltenen positiven Bewertung der politischen Anliegen des NF in weite Bevölkerungskreise hinein.«

Jugendklub »Maxim Gorki« / Kinder- und Jugendklub Maxim, Charlottenburger Straße 117.