Schokolade ist nicht gleich Schokolade

Jeder deutsche Bundesbürger ist im Schnitt 9,29 kg Schokolade im Jahr, doch die wenigsten wissen, woher die praktische eckige Tafel eigentlich kommt oder wie ein Kakaobaum aussieht.

Im Projekt "Schokolade- eine süße FAIRsuchung" durften einige Schüler der Theresienschule mehr über Herkunft, Anbau, Herstellung und Geschichte der Schokolade erfahren.

Zu diesem Zweck haben Frau Schottek und Frau Schröter, die zuständigen Lehrerinnen, Fr. Hetze in die Schule eingeladen.

Frau Hetze ist eine junge Frau aus Simbabwe in Afrika, die den Schülern viel über die unbekannte Bohne erzählen konnte.

Schon vor dem Raum drehen sich  alle Gespräche der aufgeregten Schüler nur um Schokolade, es ist deutlich zu hören, dass einige Schüler das Projekt nur ausgewählt haben, um jede Menge Schokolade essen zu können. Im Raum bereiten die Lehrerinnen und Fr. Hetze konzentriert den Raum vor. In die Mitte eines Stuhlkreises legen die drei eine große Weltkarte mit der Aufschrift "Perspektiven wechseln" und ein großes braunes Tuch, außerdem füllen sie Kakao in kleine Tassen.

Aufgeregt strömen die Schüler in den Erdkunderaum, der schon jetzt leicht nach Schokolade riecht. "Fangen wir an? Ich hab Hunger!" befindet ein Junge. Doch bevor es etwas Süßes gibt, müssen sich die Schüler erst einmal bewegen- zu lauter afrikanischer Musik schütteln sie "alles unnütze Wissen aus ihren Köpfen heraus".

Die Besucherin erklärt, dass sie kaum Deutsch spricht, woraufhin die Schüler ihr Zeichensprache und den Google-Übersetzer vorschlagen.

Doch Frau Hetze verspricht, es einfach zu versuchen.

Dann endlich kriegen die gierigen Schüler Schokolade- Fr. Hetzes selbstgekochten Kakao. Neugierig stecken die Schüler ihre Nasen in die warmen Tassen, es riecht köstlich nach Schokolade.

Skeptisch probieren die Schüler den dunklen Kakao- das Getränk schmeckt intensiv nach Schokolade, aber wässriger als der Kakao, den die Schüler zu Hause trinken, der Nachgeschmack ist schärfer und kribbelt auf der Zunge.

Frau Hetze lässt die Schüler raten, was sie getrunken haben - Kakaopulver und Wasser erraten die Schüler schnell, einer schlägt sogar Kaffee vor, doch der leicht bittere Geschmack kommt allein von dem puren Kakao.

Gewürzt hat die junge Afrikanerin das Getränk nur mit Honig, ganz viel Vanille und ein bisschen Chilli, so haben laut ihr auch die Inkas und Azteken ihren Kakao getrunken, die ersten Menschen, die mit der dunklen Bohne zu tun hatten.

Und so leitet Frau Hetze ihre Geschichte ein, die Geschichte des Kakaos, eine bewegte und aufregende Geschichte. Sie lässt die Schüler Kakaoschoten und -bohnen anfassen, Erstere sind etwas größer als Avocados und im getrockneten Zustand dunkelbraun, Letztere sehen aus wie Mandeln und riechen laut den Schülern "gar nicht wie Kakao, sondern eher wie Schweißsocken".

Sie fragt die Schüler, wo Kakao wächst und lässt sie die Orte mit Kakaobohnen auf der Karte markieren, erzählt, dass ⅔ des heute verarbeiteten Kakaos von der Elfenbeinküste stammen.

Sie erzählt von Zeiten, zu denen Kakaobohnen als Währung verwendet wurden- "man konnte sein eigenes Geld anbauen!", von Kolumbus und Cortés, den Spaniern, Portugiesen und den Briten, die die Schoten erst nach Europa und dann nach Afrika brachten.

Sie erzählt von 15 Meter hohen Kakaobäumen, die den Schatten anderer Bäume zum Wachsen brauchen und Aztekenkönigen, die 300 Tassen Kakao am Tag tranken, von Sklaven, die man für 200 Kakaobohnen kaufen konnte und der allmählichen Eroberung der gesamten Welt durch die Kakaobohnen und die daraus gewonnenen Produkte.

Und alle vorher so aufgekratzten Schüler folgen ihrem Vortrag aufmerksam. Die Geschichte der Kakaobohne ist zu spannend, um nicht in ihren Sog zu geraten.

Inwieweit das Projekt das Verhältnis der Schüler zu Schokolade verändert und verbessert hat, ist vorerst natürlich schwierig zu beurteilen.

Dass sie etwas Neues über Schokolade, ihre Herstellung und den Wert von Fairtrade gelernt haben, lässt sich jedoch schwer abstreiten.

Und so kann man wohl doch sagen, dass das Projekt  jedem Schüler irgendwas gebracht hat- und sei es nur ein entspannter, interessanter Tag mit ganz viel leckerer Schokolade.


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